New exhibition of the golden cup of Eschenz in the Museum of Archaeology, Thurgau. Bell beaker period? 2400 BC.
arCHaeo Suisse 02/2026
STIMMEN AUS DER
VERGANGENHEIT
LES VOIX DU PASSÉ
02/2026
VOCI DAL PASSATO
1
48
arCHaeo Suisse 02/2026
Ausstellung
DER GOLDBECHER
VON ESCHENZ
Der Goldbecher von Eschenz wird
in einem neu gestalteten Raum im
Museum für Archäologie Thurgau
in Frauenfeld präsentiert. Neben
dem glänzenden Prunkstück steht
auch die abenteuerliche Fundgeschichte im Fokus der Ausstellung.
Der Goldbecher wurde 1906 – also vor
genau 120 Jahren – bei Gleisarbeiten
östlich des Bahnhofs Eschenz (TG)
entdeckt. Der Finder unterschlug das
kostbare Objekt und übergab dem
Vorarbeiter an Stelle des Originals
eine grobe Fälschung aus Messing.
Diese gelangte ins Landesmuseum
nach Zürich, wo sie sich bis heute
befindet. Kürzlich kam im Archiv des
Amts für Denkmalpflege Thurgau
eine Fotografie zum Vorschein, die die
Bauarbeiten – das Verschieben des
Bahnhofgebäudes und einen Gleisneubau – im Sommer 1906 zeigt.
1974 folgte dann die grosse
Überraschung. Der Arzt Otto Schirmer aus Eschenz schenkte den
originalen Goldbecher dem Kanton
Thurgau; sein Vater Albert Schirmer
hatte das Fundstück seinerzeit wohl
vom Entdecker erworben.
Schaufenster / À l’affiche / In vetrina
Innere und äussere Werte
Der Goldbecher wurde anscheinend in 1,5 m Tiefe neben einigen
Knochen, die man nicht weiter
beachtete, gefunden. Durch die
unsachgemässe Bergung gingen
viele Informationen verloren. Immerhin lässt sich das Objekt typologisch beurteilen. Der glockenförmige Becher ist 111 mm hoch,
im Randbereich 0,8 mm dick und
besitzt einen Mündungsdurchmesser von 112 mm; er ist 136,39 g
schwer. Die natürliche Legierung
aus Waschgold besteht aus 74,5 %
Gold, 25 % Silber sowie Spuren von
Kupfer und Zinn. Die Fachwelt datiert den Becher anhand der wenigen vergleichbaren Objekte in den
Zeitraum 2600–1600 v. Chr. Eine
engere Datierung ist objektiv nicht
möglich, da je nach Gewichtung
von Form, Materialstärke oder Verzierungsstil das Fundstück älter
beziehungsweise jünger erscheint.
Das S-förmige Profil und die horizontale Gliederung der Zierelemente erinnern an Glockenbecher aus
Keramik, die um 2400 v. Chr. datieren. Der Fund aus Eschenz weist
aber auch stilistische Parallelen
zu den frühbronzezeitlichen Goldgefässen von Rillaton, Ringlemere (beide GB) und Gölenkamp (D)
auf (1700–1500 v. Chr.).
1 Bauarbeiter beim Verschieben des Bahnhofs Eschenz
im Sommer 1906. Vielleicht
versteckt sich auf dem
Bild der Finder?
2 Neu inszenierter Goldbecher von Eschenz
im Museum für Archäologie Thurgau.
Gerne wüsste man, welche
Funktion und Bedeutung der Goldbecher in prähistorischer Zeit hatte.
Neben der Interpretation als Ritualgefäss werden die Verzierungsmotive auch mit astronomischen Werten
in Verbindung gebracht. Er dürfte
einer einflussreichen Person mit ins
Grab gegeben worden sein.
Urs Leuzinger, Amt für Archäologie Thurgau
Goldbecherraum
Di–Fr 14–17 Uhr
Sa–So 13–17 Uhr
Freier Eintritt
Museum für
Archäologie Thurgau
Freie Strasse 24
8510 Frauenfeld
+41 (0)58 345 74 00
archaeologiemuseum.tg.ch
PD Dr. habil. Urs Leuzinger is Conservator of the Museum at the Archaeology Department of Canton Thurgau. He is also associate lecturer at the Institute for Archaeology at the Leopold Franzens University of Innsbruck, Austria. His field of Expertise is the Neolithic lake dwellings in the circum-alpine Alpine Region and archaeological surveys in high altitude of the Alps.