DOAJ (DOAJ: Directory of Open Access Journals), Sep 1, 2002
Der charakteristische Eindruck, den Wissenschaft zu erzeugen versucht, ist der der Objektivität i... more Der charakteristische Eindruck, den Wissenschaft zu erzeugen versucht, ist der der Objektivität ihrer Erkenntnisprodukte. Wissenschaftliche Erkenntnisresultate sind-dem Anspruch nach-unabhängig vom "Erkenntnis-Subjekt", von der Person des Wissenschaftlers oder der Wissenschaftlerin, die diese Ergebnisse hervorgebracht hat. Die Objektivitäts-Charakteristik-so die verbreitete Standard-Auffassung-unterscheidet wissenschaftliche Erkenntnis von anderen Hervorbringungen des menschlichen Geistes und Intellekts. Diese Auffassung wird einerseits erkenntnis-und wissenschaftstheoretisch zu rechtfertigen versucht, andererseits werden in wissenschaftlichen Praktiken bestimmte Inszenierungen vorgenommen, die diesen Eindruck stützen sollen (eine banale Inszenierungs-Technik ist etwa die Vermeidung des "Ich" in wissenschaftlichen Texten). In ihren Arbeits-Praktiken "wissen" hingegen alle einigermaßen erfahrenen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um die Person-bzw. Subjekt-Einflüsse auf ihre Erkenntnisarbeit und-resultate. "Offiziell" bzw. "nach außen"/in Veröffentlichungen werden solche Einflüsse hingegen typischerweise verleugnet oder vertuscht-sie werden als "Makel" behandelt, vor dem man sich zu hüten hat. [1]
Researcher's reflexivity and qualitative methods in psychology
DOAJ (DOAJ: Directory of Open Access Journals), Aug 1, 2007
Lehren und Lernen qualitativer Forschungsmethoden
Springer Reference Psychologie, 2020
Die Methodik besitzt in der akademischen Psychologie und ihrer institutionalisierten Ausbildung v... more Die Methodik besitzt in der akademischen Psychologie und ihrer institutionalisierten Ausbildung von Studierenden traditionell einen hohen Stellenwert. In den universitären Curricula im deutschen Sprachraum äußert sich das in der herausragenden Gewichtung von Kursen in mathematisch-statistischer Datenauswertung. Diese Ausrichtung ist gekoppelt mit vorwiegend naturwissenschaftlich und/oder experimentell ambitionierten Denk- und Vorgehensweisen.
Humanwissenschaftlicher Forschung liegt eine Vorstellung des Erkenntnis-Objekts zugrunde – ein Me... more Humanwissenschaftlicher Forschung liegt eine Vorstellung des Erkenntnis-Objekts zugrunde – ein Menschenbild, das bei Untersuchungen unvermeidlich vorausgesetzt wird. Dies bleibt zumeist unausgesprochen im Hintergrund und steht bei empirischer Prufung nicht zur Disposition. Der RGTM-Forschungsstil beinhaltet das Postulat, einen kritischen Blick auf die apriorischen Menschenbild-Annahmen zu richten und sie so weit als moglich offen zu legen. Fur einige sozialwissenschaftliche Forschungsprogramme werden solche Modell-Voraussetzungen hier skizziert und besprochen – kontrastiv fur die Psychologie und die interpretative Sozialwissenschaft.
Gütekriterien und ethische Fragen
Welche Gesichtspunkte und Kriterien spielen bei der Einschatzung der Gute qualitativ- sozialwisse... more Welche Gesichtspunkte und Kriterien spielen bei der Einschatzung der Gute qualitativ- sozialwissenschaftlicher Forschung und speziell von Produkten der (Reflexiven) Grounded Theory eine Rolle? Aus verschiedenen Perspektiven lassen sich der Forschungsprozess sowie das Erkenntnisprodukt hinsichtlich ihrer Qualitatscharakteristik selbst-/kritisch betrachten. Des Weiteren lassen sich Merkmale bewerten, die in der Person der Forschenden zu verorten sind. Wir geben einen Uberblick uber globale Qualitatsaspekte wissenschaftlichen Arbeitens sowie uber Gutekriterien qualitativer Forschungsansatze, ehe wir ausfuhrlicher auf Qualitatsmerkmale von R/GTM-Forschungsprojekten eingehen. Auch ethische Fragen werden zunehmend in die Qualitatsbeurteilung einbezogen. Wir betrachten die Verantwortung der Forschenden unter verschiedenen Gesichtspunkten: Es werden Grundsatze serioser wissenschaftlicher Erkenntnispraxis besprochen. Die Verantwortung der Forschenden fur die Forschungspartner und im Hinblick auf mogliche kurz- und langfristigen Auswirkungen hervorgebrachter wissenschaftlicher Erkenntnisse wird erortert. Drei grundlegende Konzepte philosophisch-normativer Ethik werden vorgestellt: Tugendethik, deontologische und konsequentialistische Ethik. Daran anschliesend werden wir einige fur die qualitative Sozialforschung charakteristische Ethik-Fragen aufgreifen und aktuelle Diskurslinien, Praktiken und Institutionalisierungsformen nachzeichnen. Dieser Problembereich befindet sich, durch unterschiedliche Problemlagen angestosen, in einer dynamischen Entwicklung, speziell in human- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen.
9. Transfer von Familienbetrieben: Nachfolge-Kommunikation und -Aushandlung
Vandenhoeck & Ruprecht eBooks, Mar 30, 2008
1. Transfer von Objekten und Positionen – Vorgänger und Nachfolger Die Entwicklung der Idee
Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 2000
Qualitativ-methodische Ansätze führen in der deutschsprachigen Psychologie in den Jahrzehnten nac... more Qualitativ-methodische Ansätze führen in der deutschsprachigen Psychologie in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schattendasein. In der Wissenschaftsgemeinschaft der Psychologen dominiert nachhaltig eine "quantitative" Ausrichtung, die sich einem naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal (prototypisch: dem bedingungskontrollierten Labor-Experiment) verpflichtet fühlt. In diesem Rahmen dürfen qualitativ arbeitende Psychologen froh sein, wenn man sie gewisse Nischen besetzen läßt. Meist bleiben sie Randexistenzen in ihrer Fachgemeinde, nicht selten werden sie mehr oder weniger offen belächelt, teilweise auch diskriminiert und abgewertet. Auch wenn aus verschiedenen Feldern psychologischer (Berufs-) Praxis zunehmend Hinweise auf die Bedeutung und Notwendigkeit (auch) einer "qualitativen" (einzelfall-, verstehens-, alltagswelt-, biographie-, dialogisch orientierten u.ä.) Arbeitsweise gegeben werden, zeigt sich die universitäre Psychologie im deutschen Sprachraum weiter ziemlich resistent gegenüber "qualitativen Anfechtungen". In der disziplinären Mikropolitik gibt es für qualitative Psychologen wenig Chancen (Stellen, Forschungsressourcen etc.). Das hat außer-wie innerfachliche Gründe, denen hier nicht nachgegangen werden soll.
Es wird einTeilaspekt aus Untersuchungen beraterisch-therapeutischer Behandlungsarbeit dargestell... more Es wird einTeilaspekt aus Untersuchungen beraterisch-therapeutischer Behandlungsarbeit dargestellt: die Interaktionssteuerung und-verarbeitung auf seiten des Therapeuten. Diese wird über (Video-)Beobachtungs-und darauf bezogene Interviewverfahren erhoben und mit Hilfe eines methodischen Rekonstruktionsverfahrens extrahiert. Im vorliegenden Aufsatz stehen die Ziele des Therapeuten bei Interaktionshandlung(sschritt)en im Mittelpunkt. Es werden mehrere Zielbereiche unterschieden und deren Stellenwert für therapeutische Interaktionen erläutert. In einem Beispiel wird der Verlauf einer Behandlungssequenz auf der Ebene dieser subjektiven Zielvornahmen rekonstruiert. Dabei werden unterschiedlicheTypen von Gesprächskrisen (Insistierens-. Orientierungskrise) erläutert.
Wissenschaftstheoretische Grundlagen qualitativer Methodik in der Psychologie
Springer eBooks, 2020
Die wissenschaftliche Psychologie besitzt seit ihren institutionellen Anfängen im späten 19. Jahr... more Die wissenschaftliche Psychologie besitzt seit ihren institutionellen Anfängen im späten 19. Jahrhundert eine charakteristische Doppel- bzw. Mehrdeutigkeit: Sie gilt sowohl als Naturwie auch als Geisteswissenschaft (oder auch als Sozial- bzw. Kulturwissenschaft, wie es heutzutage häufig heißt). Von hierher haben sich mehrere gegenstandstheoretische und methodologische Stränge entwickelt, die zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten miteinander koexistierten und kooperierten oder sich wechselseitig bekämpften und zu verdrängen suchten. In der deutschen akademischen Psychologie ist die Situation bis in die 1960er Jahre noch von einer starken Fraktion „interpretativ“ ausgerichteter Vertreter/ innen gekennzeichnet; später dominierte – in Anlehnung an US-amerikanische Vorbilder – eine naturwissenschaftlich-experimentelle Ausrichtung. In der heutigen Landschaft der Psychologie sind interpretative bzw. „qualitative“ Methodologien an den Rand gedrängt: in Deutschland weitgehend ausgemerzt, in den USA randständig, aber zunehmend hörbar, in Großbritannien stärker etabliert – national bzw. regional also unterschiedlich ausgebaut. Vertreter/innen einer qualitativ-sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsauffassung haben sich in der Psychologie heute mit einem Mainstream von auf Gesetzeserkenntnis nach dem naturwissenschaftlichen Modell orientierter Methodologie auseinanderzusetzen und ihr gegenüber zu rechtfertigen. In einigen sozial- bzw. kulturwissenschaftlichen Nachbardisziplinen verhält sich das durchaus anders: Ethnologie, Pädagogik, Kommunikationswissenschaft, Soziologie u.a. sind in dieser Hinsicht toleranter und pluralistischer aufgestellt, dort ist aktuell eine lebhafte Diskussion und Entwicklung qualitativer Forschungskonzepte und Methoden zu beobachten.
Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 2002
Der charakteristische Eindruck, den Wissenschaft zu erzeugen versucht, ist der der Objektivität i... more Der charakteristische Eindruck, den Wissenschaft zu erzeugen versucht, ist der der Objektivität ihrer Erkenntnisprodukte. Wissenschaftliche Erkenntnisresultate sind-dem Anspruch nach-unabhängig vom "Erkenntnis-Subjekt", von der Person des Wissenschaftlers oder der Wissenschaftlerin, die diese Ergebnisse hervorgebracht hat. Die Objektivitäts-Charakteristik-so die verbreitete Standard-Auffassung-unterscheidet wissenschaftliche Erkenntnis von anderen Hervorbringungen des menschlichen Geistes und Intellekts. Diese Auffassung wird einerseits erkenntnis-und wissenschaftstheoretisch zu rechtfertigen versucht, andererseits werden in wissenschaftlichen Praktiken bestimmte Inszenierungen vorgenommen, die diesen Eindruck stützen sollen (eine banale Inszenierungs-Technik ist etwa die Vermeidung des "Ich" in wissenschaftlichen Texten). In ihren Arbeits-Praktiken "wissen" hingegen alle einigermaßen erfahrenen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um die Person-bzw. Subjekt-Einflüsse auf ihre Erkenntnisarbeit und-resultate. "Offiziell" bzw. "nach außen"/in Veröffentlichungen werden solche Einflüsse hingegen typischerweise verleugnet oder vertuscht-sie werden als "Makel" behandelt, vor dem man sich zu hüten hat. [1]
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